Zeitgenössische Stücke
Fichtengrün/Thüringen von Christian Hussel / 2 D - 4 H / Frei zur UA
Ein Szenario der Nachwendezeit: Ein saudiarabisches Betreiberkonsortium kauft infolge der Privatisierung der Autobahn ein Teilstück
der A 71 mit angrenzenden Liegenschaften. Und so liegt die Ortschaft Fichtengrün über Nacht mitten in Saudi-Arabien. Ein Verlassen
des Dorfes ist ab sofort nur mit gültigem Visum möglich. Mit gekappten Strom- und Telefonleitungen, eingezäunt und abgeschnitten
vom Rest der Welt, hadern die Einwohner mit ihrem Schicksal. Die einzige Verbindung zur Außenwelt ist Achim. Doch seine ständig
steigenden Preise für Dienstleistungen aller Art lassen den Zorn der Fichtengrüner anschwellen. Und dann ist da noch Felicitas, eine
Armenierin, die Jordanien verlassen musste und die in Deutschland um Asyl bitten will. Doch leider hat sie sich auf dem Weg zu ihren
deutschen Freunden verfahren und landet plötzlich in Fichtengrün... (Leseprobe)
Bei allem Witz und aller Komik ein erschreckend realistisches Bild einer Zeit, in der jeder dazu angehalten wird, seines „eigenen
Glückes Schmied zu sein“ – ohne Rücksicht auf Verluste.
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Müllhalde von Turgay Nar / Übersetzung: Ferdi Degirmencioglu (Orginaltitel: Cöplük) / 1 D – 2 H
Aymelek und ihr Bruder Haco leben auf einer der riesigen Vorstadtmüllhalden Istanbuls. Sie sammeln Getränkedosen und Plastik-
flaschen für ihren Lebensunterhalt. Schon immer. Und für immer. Irgendwann kam Israfil dazu. Drei Verlorene, getrieben von Illusion,
Wahn und Alpträumen, suchen Halt in den Predigten des Pater Virgin, in den Weissagungen der Hexe, in den Heilungskünsten des
Hoca - und geraten doch unweigerlich in einen Prozess der Zerstörung und des Zerfalls.
In diesem Mini-Kosmos gibt es kein Zusammenhalt. Jeder lebt in seiner eigenen Angst, die von Idris, dem Boss der Müllhalde, und
seinen Spießgesellen in strenger Hierarchie aufrecht erhalten wird. Gewalt und Unterdrückung bestimmen den Tagesablauf. Ein Kind
wird geboren – ebenso schnell verschwindet es wieder...(Leseprobe)
Eine Geschichte, die zwischen Statik und Veränderung oszilliert, ein Zusammenprall der Gegensätze. Starke Bilder und explosive
Metaphern neben Resignation und Paralyse, geben den gewaltsamen Effekt realer grausamer Erfahrung direkt an den Zuschauer
weiter – und verstören ihn.
Uraufführung 1995 vom Tiyatro Stüdyosu, Regie : Işıl Kasapoğlu mit Haluk Bilginer, Ahmet Uğurlu und Zuhal Gencer
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