Vicente, Zé

Zé VicenteJosé Vicente de Paula, geboren 1945 in Alpinópo­lis im Bun­desstaat Minas Gerais, war von seinem 12 bis 19 Leben­s­jahr Priestersem­i­nar­ist in Guax­upé. Nach seinem Aus­tritt aus dem Sem­i­nar war er Straßen­verkäufer von Süßigkeit­en, Bankbeamter und Geschicht­slehrer, bevor er nach São Paulo zog, wo er an der USP (Uni­ver­si­dade de São Paulo) ein Studi­um der Philoso­phie absolvierte.

Mit seinem Stück Der Über­fall (O Assalto) gab er sein Debüt als Dra­matik­er. Zé Vicente, wie er meist genan­nt wurde, gehört mit seinem Werk – darunter Hoje è Dia de Rock (Heute ist Rock ange­sagt) und San­ti­dade (Heiligkeit) zum Kanon des brasil­ian­is­chen The­aters. San­ti­dade, 1967 geschrieben, fiel unter die Zen­sur der Mil­itärdik­tatur und wurde erst 1997 in Rio de Janeiro auf die Bühne gebracht.

Der Dra­matik­er und Schaus­piel­er Mário Bor­tolot­to erin­nert sich an den Autor als jeman­den, der als Ex-Sem­i­nar­ist eine Rech­nung mit Gott und der ver­dammten Fröm­migkeit zu begle­ichen habe; „…seine Texte spuck­en Ver­fluchun­gen und Poe­sie aus, bei­des mit der Wucht eines Schnellfeuergewehrs“. Der große Meis­ter des brasil­ian­is­chen The­aters, Zé Cel­so Cor­rrêa vom Teatro Ofic­i­na, ver­gle­icht Vicente mit Jean Genet.

Nach Der Über­fall, das mehrfach aus­geze­ich­net (Kri­tik­er­preis von São Paulo – APCT, Prêmio Molière, Golfin­ho de Ouro) und in mehrere Sprachen über­set­zt wurde, fol­gten Os Con­va­les­centes, das auch in Paris gezeigt wurde, Hojé É Dia do Rock (1971, für das er einen weit­eren Prêmio Molière erhielt), Ulti­ma Peça (1972), Ensaio Sel­vagem (1973), História das Índias (1974). Ver­bit­tert über die poli­tis­che Sit­u­a­tion des Lan­des über­siedelte er nach Europa, um Brasilien für immer den Rück­en zu kehren, kam aber in den 1980er Jahren wieder zurück und brachte drei neue Stücke im Gepäck mit: Diário Ínti­mo, Rock ’n Roll und Fim de Sécu­lo. Zé Vicente starb 2007 in São Paulo.