Aktuelles

Wüstes Land – Agreste

Zwei, die sich lieben. Die in dem wilden Dürregebiet – dem Agreste – im brasilianischen Nordosten 22 Jahre lang ihr karges Leben bestreiten. Bis eine_r stirbt.
Als die Nachbarinnen bei der Leichenwäsche helfen, machen sie eine Entdeckung, die alles in Frage stellt. Plötzlich passen die beiden nicht mehr in die engen Vorstellungen der Dorfgemeinschaft. Die Witwe steht allein vor den Rätseln, die ihr der nackte Leichnam ihres Mannes aufgibt – Mann, Frau, Liebe, Körper, nichts davon ist mehr sicher.

 

Blutige Pfade

Um der Langeweile ihrer Kleinstadt zu entfliehen, klaut die junge Rot die gesamten Ersparnisse ihrer Mutter und macht sich auf den Weg in die Großstadt zu ihrer Großmutter. Die, durch zahlreiche Schönheitsoperationen rundum erneuert, ist zur beliebtesten Fernsehmoderatorin des Landes mutiert und wird vom Bösen Wolf, einem erfolgreichen Leberpastetenfabrikant und serial killer, verehrt. Fast gelangt der Böse Wolf an sein Ziel, da taucht das Gör Rot mit ihrem Picknick-Korb auf.

Mash-up von Rotkäppchen, Hitchcocks Psycho plus einer Portion Satire auf das allumfassende Fernsehen, das langsam aber sicher unser Hirn verblöden lässt.

Wer Augen hat, der sehe

Tiefschwarze Bilder mit ein paar Graustufen, ohne Weiß: Mit seinem 2001 auf Portugiesisch (2012 in deutscher Übersetzung von Michael Kegler) erschienenen Roman Es waren viele Pferde wurde Luis Ruffato schlagartig zu einer der wichtigsten literarischen Stimmen Brasiliens. Ruffato seziert die sozialen Verhältnisse in der Millionenstadt São Paulo und die Hoffnungen derer, die hier her strömen. Die filmisch geprägten Szenen lenken den Blick exemplarisch auf Milieus, die an ihren Rändern hart aneinander stoßen. In seinen zum Roman komponierten Miniaturen spart Ruffato die Brutalität der Verhältnisse an keiner Stelle aus.
Die Theatergruppe „Companhia do Feijão“ (dt. etwa: Compagnie Schwarze Bohnen) hat aus der vielstimmigen Episodensammlung ein Theaterstück entwickelt. „Mire Veja – Schauen Sie, sehen Sie!“ fordert der brasilianische Stücktitel so werbend wie eindringlich. Fünf Darsteller zeigen in 20 kurzen und ultrakurzen Szenen mit minimalistischen Theatermitteln vor allem ein São Paulo der Armen und Ärmsten, die nicht nur ihr Habe, sondern buchstäblich ihr Fleisch und Blut gegen Ratten und nicht nur menschliche Ausbeuter verteidigen. Junkies, Kleinkriminelle, Prostituierte teilen sich den Lebensraum Megacity mit Aufsteigern, Glücksrittern und Angehörigen einer dünnen Mittelschicht. Von denen hat mancher bereits resigniert, verweigert sich den rastlosen Anstrengungen, Wohlstand zu erlangen, zu vergrößern oder zu sichern, zieht es vor, unter der Leselampe zu sitzen – und nicht hinzuschauen.